Venustafeln - Einleitung
Der Dresdener Codex enthält 6 Seiten zum Venuskalender. Seite 24 ist die Einführungsseite, welche angibt, wie man zum Basisdatum des Venusjahres kommt. Außerdem liefert sie Vielfache von Venusjahren sowie Korrekturzahlen. Die restlichen 5 Seiten entsprechen je einem Venusjahr.
Auf jeder Seite sind vier Spalten dargestellt. Diese vier Spalten beschreiben die Venus im Norden, im Westen, Süden und im Osten. In der untersten Zeile finden wir auf jeder Seite die Zahlen 236, 90, 250 und 8. Die Maya beschreiben also hier die Venus als Morgenstern für 236 Tage, in oberer Konjunktion für 90 Tage, als Abendstern für 250 Tage, und in unterer Konjunktion (wenn die Venus zwischen Erde und Sonne steht) für 8 Tage. Danach erscheint die Venus wieder als Morgenstern. Dieser wichtige Moment ist immer auf der rechten Seite, zwischen dem ersten und zweiten Bild, noch einmal erwähnt, wie hier auf Seite 50, wo es heißt:

Das Besondere an den 5 Venustafeln ist, dass sie nicht nur einen Zeitraum von 5 Venusjahren, sondern von 65 Venusjahren beschreiben. Das ist deswegen möglich, weil 5 Venusjahre ja genau 8 Sonnenjahren entsprechen. Nach 5 Venusjahren ergibt sich somit dieselbe Position im 365-tägigen Sonnenkalender. Nur die Tagesposition im Heiligen 260-tägigen Kalender ändert sich. Aber hier gibt es nur 13 Varianten. Genau diese 13 Varianten haben die Mayapriester im oberen Teil der Seite in 13 Reihen aufgeschrieben. Die nächste Reihe gibt dann die Monatsposition an.
Die Mayapriester haben auch noch die Möglichkeit eingebaut, Korrekturfaktoren zu benutzen. Da ein exaktes Venusjahr im Durchschnitt 583,92 statt 584 Tage dauert, würde sich nach 65 Venusjahren schon ein Fehler von 5 Tagen ergeben. Im Buch "Faszination Mayakalender" beschreiben wir, wie diese Korrekturen durchgeführt wurden. Anhand der Seite 24, die ursprünglich im Codex direkt der Seite 46 voranging, wissen wir, dass auf diese Weise die genialen Venustafeln der Maya mehrere hundert Jahre lang benutzt wurden.


